Skonto zu gewähren lohnt sich vor allem dann, wenn du schnell Liquidität brauchst, lange auf Zahlungen wartest oder Kunden ohnehin daran gewöhnt sind. Es ist aber teuer: 2 Prozent Nachlass für eine Zahlung 20 Tage früher entsprechen auf das Jahr gerechnet einem Zinssatz von rund 37 Prozent. Ohne diese Rechnung solltest du keinen Nachlass anbieten.
In diesem Artikel erfährst du, wie der Nachlass funktioniert, wie du die tatsächlichen Kosten berechnest, welche Alternativen es gibt und was du bei Rechnung und Umsatzsteuer beachten musst. Am Ende kannst du für dein Unternehmen eine begründete Entscheidung treffen.
Inhaltsverzeichnis
Was Skonto ist und wie es funktioniert
Skonto ist ein Preisnachlass für schnelle Zahlung. Du bietest deinem Kunden an, einen kleinen Prozentsatz vom Rechnungsbetrag abzuziehen, wenn er innerhalb einer kurzen Frist zahlt. Zahlt er später, aber noch innerhalb des Zahlungsziels, schuldet er den vollen Betrag.
Eine typische Formulierung lautet: „Zahlbar innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug oder innerhalb von 10 Tagen mit 2 % Skonto.“ Darin stecken drei Größen:
- Skontosatz: der Prozentsatz, meist zwischen 1 und 3 Prozent.
- Skontofrist: die Zeit, in der der Abzug erlaubt ist, häufig 7 bis 14 Tage.
- Zahlungsziel: die Frist, bis zu der der volle Betrag fällig ist, oft 30 Tage.
Ein Anspruch auf Skonto besteht nur, wenn du ihn vereinbarst, etwa in deinen AGB, im Angebot oder auf der Rechnung. Ohne Vereinbarung darf der Kunde keinen Abzug vornehmen.
So teuer ist der Nachlass wirklich: der Jahreszins
Viele Unternehmer unterschätzen die Kosten, weil 2 Prozent nach wenig klingen. Entscheidend ist aber, wie viele Tage früher du dein Geld bekommst. Mit einer Faustformel rechnest du den Nachlass in einen Jahreszins um:
Jahreszins ≈ Skontosatz ÷ (100 − Skontosatz) × 360 ÷ (Zahlungsziel − Skontofrist)
| Skontosatz, Skontofrist, Zahlungsziel | Tage früher | Effektiver Jahreszins (ca.) |
|---|---|---|
| 1 %, 10 Tage, netto 30 Tage | 20 | 18,2 % |
| 2 %, 10 Tage, netto 30 Tage | 20 | 36,7 % |
| 2 %, 14 Tage, netto 30 Tage | 16 | 45,9 % |
| 3 %, 10 Tage, netto 30 Tage | 20 | 55,7 % |
| 2 %, 10 Tage, netto 60 Tage | 50 | 14,7 % |
Zum Vergleich: Ein Kontokorrentkredit kostet kleine Unternehmen häufig einen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Zinssatz. Gewährst du 2 Prozent Nachlass bei 30 Tagen Zahlungsziel, finanzierst du deinen Kunden also deutlich teurer als jede Bank. Für deinen Kunden ist es umgekehrt: Für ihn lohnt es sich fast immer, den Abzug zu nutzen.

Skonto gewähren: Vorteile und Nachteile
Ob sich der Skontoabzug für dich rechnet, hängt nicht nur vom Zinssatz ab. Es gibt auch handfeste Vorteile, die sich nicht direkt in Prozent ausdrücken lassen.
Vorteile
- schnellerer Geldeingang und bessere Planbarkeit der Liquidität
- weniger offene Posten, weniger Mahnaufwand und geringeres Ausfallrisiko
- Wettbewerbsvorteil in Branchen, in denen Kunden Skonto erwarten
- Kunden mit guter Zahlungsmoral werden belohnt und bleiben eher treu
Nachteile
- hohe Kosten im Verhältnis zum Zinsvorteil
- Kunden ziehen den Abzug oft auch nach Ablauf der Frist ab
- zusätzlicher Aufwand in Buchhaltung und Umsatzsteuer
- Gefahr, dass der Nachlass zum festen Bestandteil des Preises wird
Wer schmale Margen hat, spürt den Nachlass besonders. Bei einem Gewinn von 5 Prozent vom Umsatz frisst ein Abzug von 2 Prozent rund 40 Prozent deines Gewinns aus diesem Auftrag. Wie du deine Margen sauber kalkulierst, zeigt unser Artikel über den guten Deckungsbeitrag.
Rechenbeispiel: Lohnt sich Skonto für einen Handwerksbetrieb?
Angenommen, ein Malerbetrieb stellt eine Rechnung über 10.000 Euro netto. Er bietet 2 Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto. Der Kunde zahlt am 9. Tag und zieht 200 Euro ab.
- Kosten des Skontos: 200 Euro für 20 Tage früheren Geldeingang.
- Alternative Kontokorrent: 9.800 Euro für 20 Tage zu angenommenen 10 Prozent Zinsen kosten rund 54 Euro.
- Differenz: Der Nachlass ist rund 146 Euro teurer als der Bankkredit.
Rein finanziell wäre der Kontokorrent günstiger. Das Bild ändert sich, wenn der Betrieb erfahrungsgemäß ohne Skontoangebot erst nach 60 Tagen bezahlt wird und dafür zweimal mahnen muss. Dann spart er Mahnaufwand, Zinsen für 50 Tage und reduziert das Risiko eines Zahlungsausfalls. Rechne also immer mit deinen tatsächlichen Zahlungseingängen, nicht mit dem vereinbarten Zahlungsziel.
Wann der Nachlass trotzdem sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen du bewusst mehr bezahlst, als ein Kredit kosten würde. Das ist etwa der Fall, wenn deine Kreditlinie ausgeschöpft ist, die Bank keine weitere Finanzierung gewährt oder du kurzfristig Material für einen großen Auftrag vorfinanzieren musst. Auch bei Kunden mit unsicherer Bonität kann der schnellere Geldeingang das Ausfallrisiko deutlich senken. Dann ist der Abzug eine Art Versicherung.
Eine elegante Lösung ist, den Skontosatz bereits in den Preis einzukalkulieren. Du erhöhst den Angebotspreis leicht und gibst den Nachlass für schnelle Zahlung wieder zurück. Wie du Preise sauber herleitest, zeigt unser Beitrag zur Preisstrategie für Dienstleister. Achte dabei darauf, dass du im Wettbewerb nicht zu teuer wirkst.
Skonto in der Praxis: Was in deiner Branche üblich ist
Ob Kunden einen Skontoabzug erwarten, unterscheidet sich stark nach Branche. Bevor du dich entscheidest, lohnt ein Blick auf die Gepflogenheiten deines Marktes. Frag ruhig ein paar Stammkunden oder Kollegen aus deinem Verband, welche Zahlungsbedingungen sie gewohnt sind und was sie bei anderen Lieferanten erleben.
- Großhandel und Industrie: Hier ist Skonto weit verbreitet. Viele Einkäufer haben interne Vorgaben, Skontomöglichkeiten konsequent zu nutzen.
- Handwerk und Bau: Auch hier sind Abzüge für schnelle Zahlung häufig. Kläre bei Abschlagsrechnungen genau, ob und für welche Zahlungen der Nachlass gelten soll, sonst entsteht schnell Streit.
- Dienstleister, Agenturen und Berater: Hier ist Skonto eher unüblich. Kurze Zahlungsziele und Vorauszahlungen sind oft die bessere Wahl.
- Privatkunden: Endkunden kennen Skonto selten. Ein klarer Festpreis mit kurzer Zahlungsfrist wirkt meist besser als ein Nachlass mit Bedingungen.
Arbeitest du mit Großkunden, achte auch auf deren Einkaufsbedingungen. Manche Auftraggeber verlangen lange Zahlungsziele und gleichzeitig Skonto. Für Geschäfte zwischen Unternehmen begrenzt § 271a BGB Zahlungsfristen von mehr als 60 Tagen: Sie sind nur wirksam, wenn sie ausdrücklich vereinbart und für den Gläubiger nicht grob unbillig sind. Das stärkt deine Verhandlungsposition.
Alternativen zum Skonto
Wenn es dir vor allem um schnelleres Geld geht, gibt es Wege, die weniger kosten oder zielgenauer wirken.
- Kürzere Zahlungsziele: 14 statt 30 Tage sind in vielen Branchen üblich und kosten nichts.
- Abschlagsrechnungen und Anzahlungen: Gerade bei Projekten mit Material- oder Personalvorleistung schützen Abschläge deine Liquidität.
- Konsequentes Mahnwesen: Eine freundliche Erinnerung kurz nach Fälligkeit wirkt oft schon. Vorlagen findest du im Beitrag Mahnung schreiben.
- Factoring: Du verkaufst offene Forderungen an einen Dienstleister und bekommst sofort Geld. Das kostet Gebühren, kann sich bei großen Forderungen aber rechnen.
- Bequeme Zahlwege: Zahlungslinks, QR-Codes auf der Rechnung oder Lastschrift beschleunigen den Zahlungseingang ohne Preisnachlass.
Skonto auf der Rechnung und in der Umsatzsteuer
Bietest du einen Skontoabzug an, musst du das auf der Rechnung angeben. Nach § 14 Absatz 4 UStG gehört jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts zu den Pflichtangaben einer Rechnung, sofern sie nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist. Ein kurzer Hinweis wie „2 % Skonto bei Zahlung bis zum 15.10.2026“ reicht in der Regel aus, wenn sich die genauen Bedingungen aus einer Vereinbarung ergeben.
Umsatzsteuer korrigieren
Nutzt der Kunde den Abzug, sinkt die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer. Du musst deine Umsatzsteuer nach § 17 UStG entsprechend berichtigen, dein Kunde seine Vorsteuer. Eine neue Rechnung ist dafür nicht nötig. Buchhaltungsprogramme erledigen die Aufteilung meist automatisch, wenn du den Skontoabzug korrekt erfasst.
Bei Netto 10.000 Euro und 19 Prozent Umsatzsteuer beträgt der Bruttobetrag 11.900 Euro. Zieht der Kunde 2 Prozent vom Bruttobetrag ab, zahlt er 11.662 Euro. Davon sind 9.800 Euro Entgelt und 1.862 Euro Umsatzsteuer. Welche Angaben sonst auf eine Rechnung gehören, liest du im Artikel zu den Pflichtangaben einer Rechnung.
In der Buchhaltung erfasst du den Abzug als Erlösschmälerung. Die meisten Programme bieten dafür ein eigenes Konto für gewährte Nachlässe und teilen den Betrag automatisch in Netto und Steuer auf. Wichtig ist, dass du den Zahlungseingang der richtigen Rechnung zuordnest. Bei Teilzahlungen oder Sammelüberweisungen lohnt es sich, kurz beim Kunden nachzufragen, welche Rechnungen beglichen wurden und ob ein Abzug enthalten ist.
Skonto richtig einführen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du dich für einen Skontoabzug entscheidest, solltest du die Bedingungen klar regeln. So vermeidest du Streit und unberechtigte Abzüge.
- Zahlungsverhalten auswerten: Ermittle, nach wie vielen Tagen deine Kunden im Schnitt tatsächlich zahlen.
- Kosten berechnen: Setze Skontosatz, Skontofrist und Zahlungsziel in die Formel ein und vergleiche mit deinen Finanzierungskosten.
- Preise prüfen: Kalkuliere, ob deine Marge den Abzug trägt, oder baue ihn bewusst in den Preis ein.
- Bedingungen festlegen: Definiere, ab wann die Frist läuft, etwa ab Rechnungsdatum, und ob der Zahlungseingang oder die Überweisung zählt.
- Schriftlich vereinbaren: Halte die Konditionen in AGB, Angebot und Rechnung einheitlich fest.
- Abzüge kontrollieren: Prüfe Zahlungseingänge und fordere unberechtigt abgezogene Beträge zeitnah nach.
- Regelmäßig überprüfen: Kontrolliere nach sechs Monaten, ob sich Zahlungseingänge und Liquidität tatsächlich verbessert haben.
Gerade Schritt 6 wird oft vernachlässigt. Wer unberechtigte Abzüge stillschweigend akzeptiert, macht den Nachlass faktisch zum Dauerrabatt.
Für die Formulierung in AGB und Angeboten hat sich eine einfache Struktur bewährt: Nenne den Prozentsatz, die Frist in Tagen ab Rechnungsdatum und das Zahlungsziel ohne Abzug. Lege außerdem fest, dass maßgeblich der Eingang auf deinem Konto ist. Schließe aus, dass der Abzug auch für Nebenkosten wie Fracht gilt, wenn du das nicht willst. So gibt es später keine Diskussionen.
Das Wichtigste in Kürze
- Skonto ist ein Nachlass für schnelle Zahlung und muss ausdrücklich vereinbart werden.
- 2 Prozent bei 10 statt 30 Tagen entsprechen einem Jahreszins von rund 37 Prozent.
- Skonto lohnt sich vor allem bei Liquiditätsengpässen, schlechter Zahlungsmoral oder wenn Kunden ihn erwarten.
- Alternativen wie kürzere Zahlungsziele, Abschläge oder Factoring sind oft günstiger.
- Auf der Rechnung muss die Skontovereinbarung angegeben werden, die Umsatzsteuer wird nach dem Abzug berichtigt.
Werte diese Woche aus, wie schnell deine Kunden in den letzten sechs Monaten bezahlt haben, und rechne deine Konditionen mit der Formel nach. Ein Blick in deine Liquiditätsplanung zeigt dir, ob du schnelles Geld wirklich brauchst. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuerberatung.
FAQ
Häufige Fragen zum Skonto
Was bedeutet 2 % Skonto innerhalb von 10 Tagen?
Die Formulierung bedeutet, dass dein Kunde 2 Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen darf, wenn er innerhalb von 10 Tagen nach Rechnungsdatum zahlt. Zahlt er später, schuldet er den vollen Betrag bis zum vereinbarten Zahlungsziel, oft 30 Tage. Bei einer Rechnung über 1.190 Euro brutto zahlt er bei rechtzeitiger Zahlung also 1.166,20 Euro. Dein Kunde spart damit 23,80 Euro, du erhältst dein Geld dafür 20 Tage früher.
Ist Skonto Pflicht für Unternehmen?
Nein, Skonto ist eine freiwillige Vereinbarung. Du entscheidest selbst, ob und zu welchen Bedingungen du ihn gewährst. Einen gesetzlichen Anspruch darauf hat der Kunde nicht. In manchen Branchen wie dem Großhandel oder Teilen des Handwerks ist der Abzug allerdings so verbreitet, dass Kunden ihn erwarten. Dann ist es eine strategische Entscheidung, ob du davon abweichst. Prüfe vorher, wie deine Wettbewerber vorgehen.
Darf der Kunde Skonto nach Ablauf der Frist abziehen?
Nein. Zahlt der Kunde nach Ablauf der Skontofrist, hat er keinen Anspruch auf den Abzug und schuldet den vollen Rechnungsbetrag. Du kannst den unberechtigt abgezogenen Betrag nachfordern. In der Praxis lohnt sich eine freundliche, aber klare Nachforderung, weil Kunden sonst lernen, dass der Abzug auch verspätet akzeptiert wird. Halte die Frist deshalb eindeutig auf der Rechnung fest. Bei wiederholten Fällen hilft ein persönliches Gespräch mehr als eine weitere Erinnerung.
Wie berechne ich, ob sich Skonto lohnt?
Rechne den Nachlass in einen Jahreszins um: Skontosatz geteilt durch 100 minus Skontosatz, multipliziert mit 360 geteilt durch die Differenz aus Zahlungsziel und Skontofrist. Bei 2 Prozent, 10 Tagen und 30 Tagen netto ergibt das rund 37 Prozent. Vergleiche diesen Wert mit deinen Finanzierungskosten und berücksichtige, wie schnell deine Kunden ohne Skonto tatsächlich zahlen. Liegt der Wert deutlich über deinen Kreditzinsen, ist Zurückhaltung angebracht.
Muss Skonto auf der Rechnung stehen?
Ja, wenn du den Abzug im Voraus vereinbart hast. Das Umsatzsteuergesetz verlangt, dass jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts auf der Rechnung angegeben wird, sofern sie nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist. Ein Hinweis mit Skontosatz und Frist oder Datum reicht in der Regel aus. Zieht der Kunde Skonto ab, berichtigst du die Umsatzsteuer, ohne eine neue Rechnung zu schreiben. Die Buchhaltungssoftware teilt den Abzug dabei meist automatisch auf.