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Break-even-Point berechnen: So findest du deine Gewinnschwelle

Ab wann verdienst du Geld? Formel, drei Rechenbeispiele und eine Checkliste, mit der du deine Gewinnschwelle in einer Stunde ermittelst.

Taschenrechner neben Laptop auf dem Schreibtisch: Break-even-Point berechnen für das eigene Unternehmen

Foto: Jakub Żerdzicki / Unsplash

Den Break-even-Point berechnen heißt: Du ermittelst die Absatzmenge oder den Umsatz, bei dem deine Erlöse genau deine Kosten decken. Die Formel lautet Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag pro Stück. Jedes Stück, jede Stunde und jeder Euro Umsatz darüber hinaus erzeugt Gewinn, alles darunter Verlust.

Die Rechnung passt auf einen Bierdeckel. Schwierig wird es bei den Zahlen, die du einsetzt. In diesem Leitfaden lernst du den Break-even-Point berechnen an drei Beispielen aus dem Mittelstand, siehst typische Fehler und bekommst eine Checkliste, mit der du deine Gewinnschwelle sauber bestimmst.

Was der Break-even-Point über dein Geschäft verrät

Der Break-even-Point, auf Deutsch Gewinnschwelle, markiert den Punkt, an dem Gewinn und Verlust genau null sind. Er beantwortet die Frage, die jede Gründerin und jeder Inhaber kennt: Wie viel muss ich verkaufen, damit sich der Laden trägt?

Die Kennzahl ist mehr als eine Zahl für den Businessplan. Sie zeigt dir, wie robust dein Geschäftsmodell ist. Liegt die Gewinnschwelle knapp unter deinem realistischen Absatz, reicht ein schwacher Monat für rote Zahlen. Liegt sie deutlich darunter, hast du Puffer für Preisdruck, Krankheitsausfälle oder einen verlorenen Großkunden.

Banken und Förderstellen fragen die Gewinnschwelle regelmäßig ab, etwa im Rahmen der Rentabilitätsvorschau. Wer den Break-even-Point berechnen und erklären kann, wirkt im Kreditgespräch vorbereitet.

Wann du die Rechnung brauchst

Die Gewinnschwelle ist kein Werkzeug nur für Gründer. Bestehende Betriebe brauchen sie vor jeder Entscheidung, die Preise, Kosten oder Kapazitäten verschiebt.

  • vor einer Preisänderung oder einer Rabattaktion,
  • vor einer Neueinstellung oder einem Umzug in größere Räume,
  • vor dem Start eines neuen Produkts oder Standorts,
  • wenn Lieferanten ihre Preise erhöhen.

Die Formel: Break-even-Point berechnen in drei Varianten

Bevor du den Break-even-Point berechnen kannst, brauchst du drei Größen: deine Fixkosten pro Periode, deinen Verkaufspreis (netto) und deine variablen Kosten pro Einheit. Die Differenz aus Preis und variablen Kosten ist der Deckungsbeitrag pro Stück. Mehr zur Herleitung findest du in unserem Beitrag zum Deckungsbeitrag und seiner Bewertung.

Mengenbezogen: Break-even-Absatz

Break-even-Menge = Fixkosten ÷ (Preis − variable Kosten pro Stück). Diese Variante passt, wenn du ein Produkt oder eine klar abgrenzbare Leistung verkaufst. Die Gründerplattform von KfW und Bundeswirtschaftsministerium leitet die Formel für den Break-even-Point Schritt für Schritt her.

Umsatzbezogen: Break-even-Umsatz

Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote. Die Quote ist der Deckungsbeitrag geteilt durch den Umsatz. Diese Variante brauchst du im Handel oder bei vielen Produkten, wo eine einzelne Stückzahl wenig aussagt.

Zeitbezogen: Break-even für Dienstleister

Wer Stunden verkauft, setzt statt der Stückzahl die abrechenbaren Stunden ein. Break-even-Stunden = Fixkosten ÷ (Stundensatz − variable Kosten pro Stunde). So siehst du, wie viele Stunden du pro Monat fakturieren musst.

Die Gewinnschwelle grafisch darstellen

Wer den Break-even-Point berechnen und anschaulich zeigen will, zeichnet ein Diagramm. Darin trägst du auf der x-Achse die Menge und auf der y-Achse die Euro ab. Die Kostenlinie beginnt in Höhe der Fixkosten und steigt mit den variablen Kosten. Die Erlöslinie startet im Nullpunkt und steigt mit dem Preis.

Wo sich beide Linien schneiden, liegt die Gewinnschwelle. Links davon klafft die Verlustzone, rechts davon beginnt die Gewinnzone. Für Gespräche mit Bank oder Mitgesellschaftern ist diese Grafik oft überzeugender als jede Tabelle.

Orange und blaue 3D-Balken auf einem Raster als Symbol, wenn du den Break-even-Point berechnen willst
Foto: Nick Brunner / Unsplash

Break-even-Point berechnen: drei Beispiele aus dem Mittelstand

Die folgenden Rechenbeispiele sind bewusst vereinfacht und frei erfunden. Sie zeigen dir, wie du den Break-even-Point berechnen kannst, wenn du die eigenen Zahlen aus der Buchhaltung einsetzt. Alle Beträge sind netto.

Beispiel 1: Holzmanufaktur mit Schneidebrettern

Angenommen, eine kleine Holzmanufaktur verkauft Schneidebretter für 60 Euro netto. Material, Verpackung und Versand kosten pro Brett 24 Euro. Miete, Versicherung, Software, Maschinenleasing und ein Teilzeitgehalt summieren sich auf 9.000 Euro Fixkosten im Monat.

  • Deckungsbeitrag pro Brett: 60 − 24 = 36 Euro
  • Break-even-Menge: 9.000 ÷ 36 = 250 Bretter pro Monat
  • Break-even-Umsatz: 250 × 60 = 15.000 Euro pro Monat

Ab dem 251. Brett bleiben pro Stück 36 Euro als Gewinn vor Steuern übrig.

Beispiel 2: IT-Dienstleister mit Stundensatz

Angenommen, ein Zwei-Personen-Systemhaus rechnet mit 85 Euro netto pro Stunde ab. Pro Stunde fallen etwa 10 Euro variable Kosten an, zum Beispiel für Fahrten und Lizenzen, die pro Einsatz gebucht werden. Die Fixkosten inklusive Gehältern liegen bei 12.000 Euro im Monat.

  • Deckungsbeitrag pro Stunde: 85 − 10 = 75 Euro
  • Break-even-Stunden: 12.000 ÷ 75 = 160 abrechenbare Stunden pro Monat

Bei zwei Personen sind das 80 fakturierbare Stunden pro Kopf. Klingt machbar, bis du Urlaub, Akquise, Verwaltung und Weiterbildung abziehst. Hier zeigt sich, warum Dienstleister ihre Gewinnschwelle in Stunden statt in Euro denken sollten.

Rechne deshalb gegen: Wie viele Stunden sind pro Person realistisch abrechenbar? Liegt die Quote bei 60 Prozent einer 160-Stunden-Arbeitszeit, sind es rund 96 Stunden. Das Systemhaus käme dann auf etwa 192 Stunden und läge mit 32 Stunden Puffer über der Gewinnschwelle. Fällt eine Person drei Wochen aus, ist dieser Puffer aufgebraucht.

Beispiel 3: Fachhandel mit vielen Artikeln

Angenommen, ein Fahrradladen erzielt über alle Artikel und Werkstattleistungen eine Deckungsbeitragsquote von 40 Prozent. Die monatlichen Fixkosten betragen 20.000 Euro. Auch hier kannst du den Break-even-Point berechnen, ohne jede einzelne Stückzahl zu kennen.

  • Break-even-Umsatz: 20.000 ÷ 0,40 = 50.000 Euro pro Monat

Verschiebt sich der Mix hin zu margenschwachen E-Bikes, sinkt die Quote. Bei 35 Prozent steigt die Gewinnschwelle schon auf rund 57.143 Euro.

So reagiert die Gewinnschwelle auf Preise und Kosten

Die eigentliche Stärke der Kennzahl zeigt sich, wenn du mit Szenarien spielst. Wer den Break-even-Point berechnen kann, rechnet in Minuten durch, was eine Rabattaktion, ein teurerer Lieferant oder eine neue Halle bedeuten. Die Tabelle nutzt die Zahlen der Holzmanufaktur aus Beispiel 1.

Szenario Deckungsbeitrag pro Brett Fixkosten pro Monat Break-even-Menge
Ausgangslage 36,00 € 9.000 € 250 Stück
Preis 10 % niedriger (54 €) 30,00 € 9.000 € 300 Stück
Variable Kosten 10 % höher (26,40 €) 33,60 € 9.000 € 268 Stück
Fixkosten plus 1.000 € 36,00 € 10.000 € 278 Stück
Preis 5 % höher (63 €) 39,00 € 9.000 € 231 Stück

Das Muster ist typisch: Ein Preisnachlass von zehn Prozent erhöht die nötige Menge um ein Fünftel. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf deine Preisstrategie, bevor du an der Rabattschraube drehst.

Lohnkosten im Blick behalten

Personalkosten zählen meist zu den Fixkosten. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro und steigt laut Fünfter Mindestlohnanpassungsverordnung am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro brutto je Stunde. Beschäftigt die Holzmanufaktur zwei Aushilfen mit zusammen 120 Stunden im Monat zum Mindestlohn, steigen allein die Bruttolöhne um 84 Euro monatlich. Die Gewinnschwelle wandert damit, noch ohne Arbeitgeberanteile, um gut zwei Bretter nach oben.

Zielgewinn einrechnen

Null Gewinn ist kein Ziel. Willst du wissen, welche Menge du für einen bestimmten Gewinn brauchst, addierst du ihn zu den Fixkosten. Die Formel lautet dann: (Fixkosten + Zielgewinn) ÷ Deckungsbeitrag pro Stück.

Peilt die Holzmanufaktur 3.000 Euro Gewinn vor Steuern im Monat an, braucht sie (9.000 + 3.000) ÷ 36, also rund 334 Bretter. Auf dieselbe Weise kannst du den Break-even-Point berechnen, der eine geplante Investition oder eine Kreditrate mit abdeckt.

Sicherheitsabstand und zeitlicher Break-even

Sobald du den Break-even-Point berechnen konntest, folgt die nächste Frage: Wie viel Luft hast du? Dafür gibt es den Sicherheitsabstand, im Controlling auch Margin of Safety genannt.

Sicherheitsabstand ermitteln

Sicherheitsabstand = (geplanter Umsatz − Break-even-Umsatz) ÷ geplanter Umsatz. Plant die Holzmanufaktur 320 Bretter im Monat, liegt der Abstand bei (320 − 250) ÷ 320, also rund 22 Prozent. Der Absatz darf also um gut ein Fünftel einbrechen, bevor Verluste entstehen.

Zeitlicher Break-even bei Gründung und Investition

Bei Gründungen oder großen Investitionen interessiert dich oft der Zeitpunkt, an dem die aufgelaufenen Gewinne die Anlaufverluste ausgleichen. Dafür kumulierst du die monatlichen Ergebnisse in einer Tabelle. Der Monat, in dem die Summe erstmals positiv wird, ist dein zeitlicher Break-even. Für die Zahlungsfähigkeit in dieser Phase brauchst du zusätzlich eine Liquiditätsplanung, denn Gewinn ist nicht gleich Geld auf dem Konto.

Typische Fehler, wenn du den Break-even-Point berechnen willst

Die Formel ist simpel, die Fehlerquellen sind es nicht. Diese Punkte verzerren das Ergebnis am häufigsten:

  • Brutto und netto gemischt: Rechne Preise und Kosten konsequent ohne Umsatzsteuer, sofern du nicht Kleinunternehmer bist.
  • Unternehmerlohn vergessen: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften taucht dein eigenes Gehalt nicht als Kosten auf. Setze einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an, sonst ist deine Gewinnschwelle zu niedrig.
  • Tilgung als Kosten gezählt: Kreditraten bestehen aus Zins und Tilgung. Nur der Zins ist Aufwand, die Tilgung belastet die Liquidität.
  • Fixkosten falsch zugeordnet: Manche Kosten sind sprungfix. Eine zweite Maschine oder ein weiterer Mitarbeiter erhöht die Fixkosten ab einer bestimmten Menge schlagartig.
  • Durchschnittspreis geschönt: Rabatte, Skonti und Retouren senken deinen tatsächlichen Erlös pro Stück.

Die Break-even-Analyse unterstellt außerdem lineare Kosten und konstante Preise. Für die meisten kleinen Unternehmen ist diese Vereinfachung in einem realistischen Mengenbereich vertretbar, solange du die Annahmen offen dokumentierst.

Checkliste: In sechs Schritten zur Gewinnschwelle

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Liste kannst du den Break-even-Point berechnen, ohne teure Software. Eine Tabellenkalkulation reicht.

  1. Zeitraum festlegen: Monat oder Jahr, aber für alle Werte gleich.
  2. Fixkosten sammeln: Miete, Gehälter samt Arbeitgeberanteilen, Versicherungen, Leasing, Software, Zinsen, Abschreibungen und Unternehmerlohn aus BWA oder Kontoauszügen.
  3. Variable Kosten pro Einheit bestimmen: Material, Fremdleistungen, Provisionen, Zahlungsgebühren, Versand.
  4. Durchschnittlichen Nettopreis ermitteln: Nach Rabatten und Skonti, nicht laut Preisliste.
  5. Formel anwenden: Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Einheit oder Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote.
  6. Szenarien und Sicherheitsabstand prüfen: Mindestens drei Varianten rechnen und das Ergebnis vierteljährlich aktualisieren.

Break-even-Point berechnen mit einer Tabelle

Lege in einer Tabellenkalkulation vier Eingabefelder an: Fixkosten, Preis, variable Kosten und geplante Menge. In ein fünftes Feld schreibst du die Formel für die Break-even-Menge, in ein sechstes den Sicherheitsabstand. Färbe die Eingabefelder ein, damit klar ist, wo Zahlen hingehören. So können auch Mitarbeitende im Vertrieb Szenarien durchspielen, ohne die Formeln zu zerstören.

Die Fixkosten übernimmst du am besten direkt aus der aktuellen BWA, damit die Tabelle nicht veraltet.

Das Wichtigste in Kürze

Die Gewinnschwelle ist eine der einfachsten und zugleich aufschlussreichsten Kennzahlen für dein Unternehmen. Sie verbindet Preis, Kosten und Menge in einer Zahl und macht Entscheidungen greifbar.

  • Break-even-Menge = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Stück.
  • Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote.
  • Preisnachlässe verschieben die Gewinnschwelle stärker, als die meisten erwarten.
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn und realistische Durchschnittspreise gehören in jede Rechnung.

Wer den Break-even-Point berechnen und regelmäßig aktualisieren kann, merkt früher, wenn ein Angebot, ein Kunde oder ein Standort sich nicht mehr trägt. Nimm dir einmal im Quartal eine Stunde dafür Zeit, und lass bei Finanzierungsfragen deine Steuerberatung auf die Annahmen schauen.

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