Ein Website-Relaunch gelingt ohne Rankingverlust, wenn du vorher alle bestehenden URLs, Rankings und Backlinks erfasst, jede alte URL per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite leitest und die neue Website vor dem Livegang technisch prüfst. Die meisten Einbrüche nach einem Relaunch entstehen nicht durch das neue Design, sondern durch vergessene Weiterleitungen, gelöschte Inhalte und versehentlich gesperrte Seiten.
Diese Checkliste zeigt dir, wie du deinen Website-Relaunch in vier Phasen planst: Bestandsaufnahme, Konzeption, technische Umsetzung und Kontrolle nach dem Start. Sie richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die mit einer Agentur oder selbst eine neue Website aufsetzen und ihre Sichtbarkeit bei Google behalten wollen.
Inhaltsverzeichnis
Warum ein Website-Relaunch SEO-Risiken birgt
Google hat über Monate oder Jahre gelernt, welche deiner Seiten zu welchen Suchanfragen passen. Diese Signale hängen an konkreten URLs. Änderst du Adressen, Inhalte und interne Verlinkung gleichzeitig, muss Google vieles neu bewerten. Kurzfristige Schwankungen sind normal, dauerhafte Verluste nicht.
Typische Ursachen für Einbrüche nach dem Website-Relaunch sind:
- Alte URLs liefern einen 404-Fehler, weil keine Weiterleitung eingerichtet wurde.
- Gut rankende Texte wurden gekürzt oder gestrichen, weil sie nicht ins neue Design passten.
- Die Testumgebung war auf „noindex“ gestellt, und die Einstellung wurde mit live geschaltet.
- Seitentitel, Meta-Beschreibungen und Überschriften gingen beim Umzug verloren.
- Die neue Seite lädt deutlich langsamer, etwa wegen großer Bilder oder vieler Skripte.
Alle diese Fehler lassen sich mit einer sauberen Planung vermeiden. Deshalb beginnt jeder gute Website-Relaunch lange vor dem ersten Designentwurf.
Phase 1: Bestandsaufnahme vor dem Website-Relaunch
Bevor du etwas veränderst, dokumentierst du den Ist-Zustand. Nur so kannst du später vergleichen und wissen, ob der Relaunch erfolgreich war.
Alle URLs erfassen
Lass deine bestehende Website mit einem Crawler wie Screaming Frog, Sitebulb oder einem vergleichbaren Tool vollständig durchsuchen. Exportiere alle erreichbaren URLs mit Statuscode, Seitentitel, Meta-Beschreibung und H1. Ergänze die Liste um URLs aus der XML-Sitemap und aus der Google Search Console, denn dort tauchen oft Seiten auf, die intern gar nicht mehr verlinkt sind.
Rankings, Traffic und Backlinks sichern
Exportiere aus der Search Console die Leistungsdaten der letzten 16 Monate, also Klicks, Impressionen und Positionen pro Seite. Notiere zusätzlich deine wichtigsten Keywords mit aktueller Position. Prüfe außerdem, welche Seiten externe Links erhalten. Diese Seiten sind besonders wertvoll und brauchen auf jeden Fall eine passende Weiterleitung.
Top-Seiten markieren
Sortiere deine Liste nach Klicks und Backlinks. In der Regel bringen wenige Seiten den Großteil des organischen Traffics. Diese Seiten behandelst du beim Website-Relaunch mit besonderer Sorgfalt: Inhalt erhalten, URL möglichst gleich lassen, Überschriften nicht ohne Grund ändern.
Technische Basis dokumentieren
Halte außerdem fest, welche Technik hinter der alten Seite steckt: Content-Management-System, Hosting, Plugins, Formulare, Tracking und eingebundene Dienste wie Kartendienste oder Buchungstools. Notiere auch, wo Zugangsdaten liegen und wer sie verwaltet. Diese Übersicht verhindert, dass beim Umzug Funktionen verloren gehen, an die niemand gedacht hat, etwa eine automatische Bewerbungsweiterleitung oder ein Newsletter-Formular.
Sichere zum Schluss die komplette alte Website samt Datenbank. So kannst du später Texte, Bilder oder Einstellungen nachschlagen, falls beim Website-Relaunch doch etwas fehlt.

Phase 2: Konzept, Struktur und Inhalte planen
Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit, Altlasten loszuwerden. Entscheide für jede bestehende Seite, was mit ihr passiert. Bewährt hat sich eine einfache Einteilung in vier Gruppen.
| Entscheidung | Wann sinnvoll | Was technisch passiert |
|---|---|---|
| Behalten | Seite rankt gut, Inhalt ist aktuell | URL bleibt gleich oder bekommt eine 301-Weiterleitung |
| Überarbeiten | Thema passt, Text ist veraltet oder dünn | Inhalt wird aktualisiert, URL möglichst erhalten |
| Zusammenlegen | Mehrere Seiten behandeln fast dasselbe Thema | Alle alten URLs leiten auf die neue Sammelseite weiter |
| Löschen | Kein Traffic, keine Links, kein Nutzen | Weiterleitung auf passende Seite oder Statuscode 410 |
Plane die neue Seitenstruktur so, dass wichtige Inhalte mit wenigen Klicks erreichbar sind. Lege für jede Seite ein Haupt-Keyword fest und vermeide, dass zwei Seiten um dieselbe Suchanfrage konkurrieren. Wenn du auch über ein neues Budget nachdenkst, hilft dir unser Überblick zu den Website-Kosten 2026.
Inhalte für Nutzer und Suchmaschinen überarbeiten
Nutze die Gelegenheit, deine wichtigsten Texte zu verbessern. Prüfe, ob jede Seite die Fragen deiner Kunden wirklich beantwortet: Was bietest du an, für wen, in welcher Region und zu welchen Bedingungen? Ergänze Preise oder Preisspannen, Ablauf, Referenzen und einen klaren Kontaktweg. Solche Angaben helfen Besuchern bei der Entscheidung und machen deine Seiten für Google und KI-Suchsysteme verständlicher.
Achte außerdem auf saubere Überschriften, sprechende Bildnamen und Alt-Texte. Diese Details gehen beim Website-Relaunch leicht unter, wenn Inhalte per Copy-and-paste ins neue System wandern.
Barrierefreiheit gleich mitdenken
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele Online-Shops und digitale Dienstleistungen gegenüber Verbrauchern. Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind teilweise ausgenommen, trotzdem lohnt sich eine barrierearme Umsetzung für alle. Der Relaunch ist der günstigste Zeitpunkt dafür. Was konkret gilt, liest du in unserem Beitrag zur barrierefreien Website nach BFSG.
Zeitplan und Zuständigkeiten festlegen
Ein realistischer Zeitplan verhindert, dass SEO-Aufgaben am Ende unter Zeitdruck wegfallen. Plane für eine typische KMU-Website drei bis sechs Monate ein und verteile die Aufgaben klar:
- Geschäftsführung: Ziele, Budget und finale Abnahme.
- Fachabteilungen: Inhalte prüfen und fachlich freigeben.
- Agentur oder Entwickler: Design, Technik, Weiterleitungen und Tests.
- SEO-Verantwortliche: Bestandsaufnahme, Redirect-Mapping und Monitoring.
Halte den geplanten Livegang mit einem Puffer von zwei Wochen fest. Verzögerungen bei Texten und Freigaben sind beim Website-Relaunch eher die Regel als die Ausnahme.
Phase 3: Weiterleitungen sauber einrichten
Das Herzstück jedes Website-Relaunch ist das Redirect-Mapping. Dabei ordnest du jeder alten URL genau eine neue URL zu. Google empfiehlt für dauerhafte Umzüge serverseitige Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 oder 308. Details dazu findest du in der Dokumentation Weiterleitungen und die Google Suche.
So baust du das Redirect-Mapping
- Übernimm die URL-Liste aus Phase 1 in eine Tabelle mit den Spalten „alte URL“, „neue URL“ und „Status“.
- Ordne jeder alten URL die inhaltlich passendste neue Seite zu, nicht pauschal die Startseite.
- Prüfe auch Bilder, PDFs und Sonderseiten wie Impressum oder Datenschutz.
- Vermeide Weiterleitungsketten: Alte URL A soll direkt auf Ziel C zeigen, nicht über B.
- Lass die Liste von einer zweiten Person gegenlesen, bevor die Agentur sie umsetzt.
Behalte die Weiterleitungen dauerhaft bei. Google rät in seinem Leitfaden zu Websiteverschiebungen und Migrationen, sie möglichst lange, generell mindestens ein Jahr, aktiv zu lassen. Aus Nutzersicht ist es am besten, sie gar nicht mehr zu entfernen. Ziehst du zusätzlich auf eine neue Domain um, beachte die Hinweise in unserem Beitrag Domain umziehen ohne Rankingverlust.
Praxisbeispiel: Website-Relaunch eines Handwerksbetriebs
Angenommen, ein Elektrobetrieb mit 12 Mitarbeitenden hat eine zehn Jahre alte Website mit 85 Seiten. Die Bestandsaufnahme zeigt: 14 Seiten bringen rund 80 Prozent der organischen Klicks, 30 Seiten haben im letzten Jahr keinen einzigen Klick erhalten.
- Die 14 Top-Seiten werden behalten und inhaltlich aktualisiert, die URLs bleiben gleich.
- Acht ähnliche Leistungsseiten zur Photovoltaik werden zu zwei starken Seiten zusammengelegt.
- Die 30 Seiten ohne Klicks werden geprüft: 22 leiten auf passende Themenseiten weiter, acht veraltete Newsmeldungen erhalten den Statuscode 410.
- Alle übrigen Seiten wandern in die neue Struktur und bekommen 301-Weiterleitungen.
Nach dem Livegang sinken die Klicks in den ersten zwei Wochen leicht. Nach etwa sechs Wochen liegen sie wieder auf dem alten Niveau, weil alle wichtigen Signale über die Weiterleitungen übertragen wurden. Das ist ein realistischer Verlauf, eine Garantie für bestimmte Zeiträume gibt es aber nicht.
Website-Relaunch Checkliste für den Livegang
Am Tag des Livegangs zählt jedes Detail. Arbeite diese Punkte der Reihe nach ab und hake sie ab:
- Indexierung freigeben: Entferne „noindex“ und prüfe, dass die robots.txt keine wichtigen Bereiche sperrt.
- Weiterleitungen testen: Rufe eine Stichprobe von mindestens 50 alten URLs auf, darunter alle Top-Seiten.
- HTTPS und Domainvarianten: Alle Varianten mit und ohne www sowie http müssen auf eine einzige Version zeigen.
- Canonical-Tags: Sie müssen auf die Live-Domain zeigen, nicht auf die Testumgebung.
- XML-Sitemap: Erzeuge eine neue Sitemap und reiche sie in der Search Console ein.
- Seitentitel und Meta-Beschreibungen: Vergleiche die wichtigsten Seiten mit deiner Liste aus Phase 1.
- Strukturierte Daten: Prüfe Organisations-, Unternehmens- und FAQ-Markup mit dem Test für Rich-Suchergebnisse.
- Tracking: Kontrolliere, dass Analyse-Tool und Cookie-Banner funktionieren und Einwilligungen korrekt abgefragt werden.
- Formulare: Teste Kontaktformular, Terminbuchung und Newsletter-Anmeldung mit echten Testanfragen.
Ladezeit und Core Web Vitals prüfen
Google misst die Nutzerfreundlichkeit unter anderem mit den Core Web Vitals. Als gut gelten laut Google Search Central ein Largest Contentful Paint innerhalb von 2,5 Sekunden, ein Interaction to Next Paint unter 200 Millisekunden und ein Cumulative Layout Shift unter 0,1. Teste die neue Seite vor dem Start mit PageSpeed Insights. Konkrete Maßnahmen findest du in unserem Ratgeber Ladezeit der Website verbessern.
Nach dem Website-Relaunch: Monitoring in den ersten Wochen
Mit dem Livegang ist die Arbeit nicht erledigt. In den ersten vier bis acht Wochen entscheidet sich, ob dein Website-Relaunch die Sichtbarkeit hält. Plane dafür feste Termine ein.
| Zeitpunkt | Was du prüfst | Werkzeug |
|---|---|---|
| Tag 1 | Erreichbarkeit, Weiterleitungen, Indexierbarkeit | Crawler, Browser, URL-Prüfung |
| Woche 1 | 404-Fehler, Crawling-Probleme, Sitemap-Status | Search Console |
| Woche 2 bis 4 | Klicks und Positionen der Top-Seiten | Search Console, Rank-Tracker |
| Woche 4 bis 8 | Ladezeit, Conversions, Anfragen | PageSpeed Insights, Analyse-Tool |
Taucht in der Search Console eine alte URL mit 404 auf, ergänzt du die Weiterleitung sofort. Sinkt eine einzelne Top-Seite stark ab, vergleiche den neuen Inhalt mit der alten Version. Oft fehlen Abschnitte, die für Google wichtig waren.
Vergleiche nach etwa acht Wochen die Zahlen mit deiner Ausgangsbasis aus Phase 1. Liegen Klicks und Anfragen auf dem alten Niveau oder darüber, war dein Website-Relaunch aus SEO-Sicht erfolgreich. Dokumentiere die Ergebnisse, damit du beim nächsten Projekt darauf aufbauen kannst.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Einige Fehler tauchen bei fast jedem misslungenen Relaunch auf. Mit diesen Regeln umgehst du sie:
- Alles auf die Startseite weiterleiten: Google wertet solche Sammel-Weiterleitungen oft wie einen 404-Fehler. Leite immer auf thematisch passende Seiten.
- Design vor Inhalt: Lass Texte nicht kürzen, nur weil das Layout weniger Platz bietet. Plane das Design um gute Inhalte herum.
- Kein Testlauf: Crawle die Testumgebung vor dem Start einmal komplett und vergleiche sie mit der alten Seite.
- Ungünstiger Zeitpunkt: Schalte nicht kurz vor deiner Hauptsaison oder vor Feiertagen um.
- Interne Links vergessen: Passe Links in Texten, Menüs und Footer direkt auf die neuen URLs an, statt dich nur auf Weiterleitungen zu verlassen.
- Keine Verantwortlichkeit: Lege fest, wer bei dir im Unternehmen die SEO-Checkliste abnimmt, nicht nur die Agentur.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Website-Relaunch beginnt mit einer vollständigen Bestandsaufnahme aller URLs, Rankings und Backlinks.
- Jede alte URL braucht eine 301-Weiterleitung auf die passendste neue Seite, nicht auf die Startseite.
- Gut rankende Inhalte bleiben erhalten und werden höchstens verbessert.
- Vor dem Livegang prüfst du noindex, robots.txt, Canonicals, Sitemap und Ladezeit.
- Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr aktiv, besser dauerhaft.
- In den ersten acht Wochen kontrollierst du regelmäßig Search Console und Top-Seiten.
Starte deinen Website-Relaunch mit einer einfachen Tabelle aller bestehenden URLs und ihrer Klicks. Diese Liste ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung und schützt dich vor teuren Fehlern beim Umzug.
FAQ
Häufige Fragen zum Website-Relaunch
Wie lange dauert ein Website-Relaunch?
Für eine typische KMU-Website mit 30 bis 100 Seiten solltest du drei bis sechs Monate einplanen. Die Bestandsaufnahme dauert meist ein bis zwei Wochen, Konzept und Inhalte mehrere Wochen, die technische Umsetzung je nach Umfang ein bis drei Monate. Hinzu kommen vier bis acht Wochen Monitoring nach dem Livegang. Plane Puffer ein und lege den Starttermin nicht in deine Hauptsaison.
Verliere ich bei einem Website-Relaunch meine Google-Rankings?
Nicht zwangsläufig. Kurzfristige Schwankungen in den ersten Wochen sind normal, weil Google die neuen Seiten erst verarbeiten muss. Dauerhafte Verluste entstehen meist durch fehlende Weiterleitungen, gelöschte Inhalte oder technische Sperren wie noindex. Wenn du alle alten URLs sauber per 301 weiterleitest und gute Inhalte erhältst, erholen sich die Rankings in der Regel nach einigen Wochen.
Was ist ein Redirect-Mapping?
Ein Redirect-Mapping ist eine Tabelle, in der jeder alten URL deiner Website genau eine neue Ziel-URL zugeordnet wird. Auf dieser Grundlage richtet die Agentur oder dein Hoster die 301-Weiterleitungen ein. Wichtig ist, dass jede Seite auf die inhaltlich passendste neue Seite zeigt. Pauschale Weiterleitungen auf die Startseite solltest du vermeiden, weil Google sie oft nicht als gleichwertigen Ersatz wertet.
Wie lange müssen 301-Weiterleitungen aktiv bleiben?
Google empfiehlt, Weiterleitungen nach einem Umzug möglichst lange beizubehalten, mindestens aber ein Jahr. In dieser Zeit überträgt Google die Signale der alten URLs auf die neuen, auch für externe Links, die noch auf alte Adressen zeigen. Aus Sicht deiner Besucher ist es am besten, die Weiterleitungen dauerhaft aktiv zu lassen, denn alte Links in E-Mails oder Verzeichnissen funktionieren dann weiter.
Was gehört auf eine Website-Relaunch Checkliste für SEO?
Eine gute Checkliste umfasst die Erfassung aller URLs und Rankings, ein vollständiges Redirect-Mapping, den Erhalt gut rankender Inhalte, die Kontrolle von noindex, robots.txt und Canonical-Tags sowie eine neue XML-Sitemap. Dazu kommen Tests von Ladezeit, Formularen und Tracking. Nach dem Website-Relaunch überwachst du einige Wochen lang 404-Fehler, Klicks und Positionen in der Google Search Console.